Zu den berührendsten und bedrückendsten Schilderungen unserer Großelterngeneration zählten jene über Weihnachten in Kriegszeiten. Das Fest des Friedens, der Freude und der Liebe in Not und Elend erleben zu müssen, prägte nachhaltig. Obwohl oder gerade weil wir in einem friedlichen Umfeld leben dürfen, in dem Grenzen verschwunden und ehemals verfeindete Nachbarn zu Freunden geworden sind, muss die Erinnerung an die dunklen Kapitel unserer Geschichte aufrecht erhalten bleiben. Da die Zeitzeugen immer weniger werden, übernehmen Vereine wie „L’ Associazione Landscapes Opera in Val Canale“ diese Aufgabe. Der angesprochene Verein möchte Kriegsrelikte vor dem Vergessen bewahren und als Mahnmale öffentlich zugänglich machen.

Eine dieser Stätten ist das Fort Beisner, eine riesige Bunkeranlage nahe Ugovizza im italienischen Kanaltal. Die ca. 1000 Meter  Gänge befinden sich unter einem Hügel, versteckt im Wald. Sie wurden zwischen 1938 und 1940 als Teil einer langen Befestigungslinie zum Schutz vor einem eventuellen Angriff der deutschen Truppen auf Italien errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg reaktivierte die NATO die Anlage, um bei einem Einmarsch der Sowjetunion gerüstet zu sein. Dies zeigt die strategische Bedeutung des Kanaltals, welches bereits zu Zeiten der Napoleonischen Kriege und des Ersten Weltkriegs im Zentrum des militärischen Interesses stand.

Während des Kalten Krieges streng geheim und selbst unter der Bevölkerung kaum bekannt, ist der Zugang zum Fort Beisner heute relativ leicht. Wir fuhren auf der Bundesstraße von Tarvisio kommend Richtung Udine und bogen unmittelbar vor dem Ortsbeginn von Ugovizza nach links ab. Gleich hinter der Einmündung der Autobahnabfahrt „Malborghetto-Valbruna“ (diese kann nur aus Richtung Udine benützt werden) ist linker Hand eine Parkmöglichkeit bei einer Forststraße. Nach einem fünfminütigen Fußweg durch den verschneiten Winterwald erreichten wir den Eingang des Bunkers.

Ugovizza - Fort Beisner - WinterwaldUgovizza - Fort Beisner - Bunkereingang

Krippenausstellung

Da der Verein die Anlage ehrenamtlich und ausschließlich mit Spendengeldern finanziert betreut, ist sie nur zu speziellen Anlässen geöffnet. Die Facebook-Seite des Vereins gibt darüber nähere Auskünfte. Der Anlass für unseren Besuch war eine vorweihnachtliche Krippenausstellung. Die unterschiedlichsten Krippen aus Österreich, Slowenien und Italien in den Bunkerräumlichkeiten verdeutlichten das eingangs erwähnte, traurige Bild von Weihnachten während des Krieges.

Ugovizza – Fort Beisner – ChristbaumUgovizza - Fort Beisner - MaisrohrkrippeUgovizza - Fort Beisner - Krippe im FassUgovizza - Fort Beisner - Krippe mit WerkzeugUgovizza - Fort Beisner - Stuhlkrippe

Zu unserer Freude sahen wir auch zwei Krippen aus Sardinien. Die Berichte über unsere Sardinienabenteuer im letzten Sommer werden in den nächsten Monaten diesen Blog füllen.

Ugovizza - Fort Beisner - Sardische KrippeUgovizza - Fort Beisner - Große sardische Krippe

Führung durch den Bunker

Im Anschluss an diese kleine, besinnliche Ausstellung nahmen wir dankend das Angebot an, durch den Rest der ausgedehnten Anlage geführt zu werden. Zunächst dachten wir, dass wir uns in den endlos erscheinenden Gängen restlos verirren werden. Als wir aber das System durchschaut hatten, fanden wir uns (auch Dank der Beschriftungen) recht gut zurecht. Von einem zentralen Gang zweigen sternförmig weitere Gänge ab, die an Geschützständen enden, die auf wichtige Punkte in der Umgebung (z.B. den Bahnhof) ausgerichtet sind.

Ugovizza - Fort Beisner - Langer GangUgovizza – Fort Beisner – Gang mit NischenUgovizza - Fort Beisner - KanisterUgovizza - Fort Beisner - Hinweisschilder im GangUgovizza - Fort Beisner - Abzweigungen

Etwas vor den Endpunkten konnten wir Kurbeln an der Wand entdecken. Diese waren für die Frischluftversorgung der Soldaten notwendig, die sich unmittelbar bei den Geschützen aufhielten. Durch das Schießen wurde Sauerstoff verbraucht, wodurch es notwendig war, dass Kameraden durch Drehen der Kurbel mit etwa 40 Umdrehungen pro Minute diesen über ein Rohrsystem direkt zur Gasmaske des Geschützsoldaten leiteten.

Ugovizza - Fort Beisner - Luftzufuhr

Im nachfolgenden Abschnitt sollten schwere Eisentüren, die ursprünglich aus Marineschiffen stammten, sowie rechte Winkel in den Gängen vor der Druckwelle eventueller Angriffe schützen.

Ugovizza – Fort Beisner – StahltürUgovizza – Fort Beisner – Gang mit Stahltür

Die Gefechtsstände selber sind von außen extra getarnt. Die Waffen (eine Kanone bzw. Maschinengewehre) wurden mittlerweile entfernt.

Ugovizza – Fort Beisner – Gefechtsstand

Zu dieser Anlage gehörte noch eine Aussichtswarte, deren Zugang über 140 Stufen direkt zur Spitze des Hügels führt. Zunächst ähnelt der Aufstieg noch den übrigen Bunkergängen, schon bald kamen wir in den Bereich, wo dieser in den blanken Fels gehauen ist. Ganz oben sahen wir noch eine Leiter, die direkt zur Warte führte.

Ugovizza - Fort Beisner - Aufgang zur AussichtswarteUgovizza - Fort Beisner - Stiege zur AussichtswarteUgovizza - Fort Beisner - Leiter zur AussichtswarteUgovizza - Fort Beisner - Höhle bei der Aussichtswarte

Der gesamte Bunker bot Platz für ungefähr 100 Soldaten. Die dafür notwendigen Frischwassertanks sind ebenso zu sehen,…

Ugovizza - Fort Beisner - Wassertanks

… wie Reste der Unterkünfte.

Ugovizza - Fort Beisner - Metallbetten

Heute tummeln sich in den Gängen nur ein paar tierische Bewohner, diese aber mit sehr friedlichen Absichten (zumindest uns gegenüber).

Ugovizza - Fort Beisner - Spinne

Der Rundgang und die Erläuterungen durch die sehr freundlichen, kompetenten und engagierten Vereinsmitglieder ließen uns sehr nachdenklich zurück. Auf dem Rückweg zum Auto ließen wir die Eindrücke noch einmal auf uns wirken und erfreuten uns an dem friedlichen Winterwunderland.

Ugovizza - Fort Beisner - Verschneite BäumeUgovizza - Fort Beisner - Wald im DunklenUgovizza - Fort Beisner - Zugang

Mit diesem etwas besinnlichen Blick auf die Geschichte unserer Region wünschen wir allen Leserinnen und Lesern ein frohes und friedliches Weihnachtsfest. Auch unter dem Eindruck des im Fort Beisner Gesehenen finden wir, dass den Wünschen der Engel in der biblischen Weihnachtsgeschichte nichts mehr hinzuzufügen ist: „… Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“

Ugovizza - Fort Beisner - Karte

Kartenausschnitt © OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA

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