Italien, Sardinien

Unsere neue Liebe Sardinien Teil 1

Sardinien - Porto Ferro - Turm

Manchmal sind es Zufälle, die einen an die schönsten und interessantesten Orte führen. Sardinien war so ein Zufall: Das A. von M.A.R.S. erhielt eine Einladung zu einem internationalen Mosaiksymposium in einem Ort, den kein Reisebüro kennt: Ploaghe (Betonung am o).

Sardinien - Ploaghe - Kirchen

Der Rest kam etwas später nach und so hatten wir im letzten Sommer eine wohl einzigartige Gelegenheit, eine relativ lange Zeit auf der zweitgrößten Mittelmeerinsel zu verbringen. Die uns davor nicht bekannte Insel entpuppte sich als eine Gegend, die uns fesselte und bis heute nicht losgelassen hat.

Wir starten unseren Sardinienschwerpunkt mit einer Art zweiteiligen Einführung. In diesem, dem ersten Teil beschreiben wir allgemeine Dinge wie Anreise, Klima und Landschaft, im zweiten Teil beschäftigen wir uns überblicksmäßig mit den Menschen und ihrer Kultur.

Die Anreise

Die Insellage macht es notwendig, sich mit der Anreise intensiv auseinanderzusetzen und sich zwischen den zwei Möglichkeiten Fähre oder Flugzeug zu entscheiden. Eine rechtzeitige Reservierung, vor allem in der Hauptreisezeit, ist für beide Verkehrsmittel notwendig. Aus folgenden Gründen wählten wir das Flugzeug:

  • Die Überfahrt mit der Fähre dauert lange, von Livorno nach Olbia beispielsweise acht Stunden. Die Entfernung ist doch sehr groß, geographisch liegt die Insel sogar näher bei Afrika als bei Italien.
  • Die Fähren verkehren zwar nach Fahrplan, Verspätungen kommen aber relativ häufig vor. Bekannte erzählten uns von stundenlangen Wartezeiten, ohne Bescheid zu bekommen, wann es endlich los geht – für niemanden lustig – für Kinder eine Qual. Der Vorteil ist, man kann einpacken, was im eigenen Fahrzeug Platz findet.
  • Es gibt viele Flugverbindungen zu den drei großen Verkehrsflughäfen Olbia, Alghero und Cagliari – auch von günstigen Fluglinien.
  • Wir wollten uns die lange Anreise mit dem Auto zum Fährhafen ersparen.

Da es vom Süden Österreichs nur ein Katzensprung nach Venedig ist, wählten wir die Verbindung von dort nach Olbia. Trotz Billig-Fluglinie war es eine relativ angenehme Reise. Die engen Sitzreihen fallen bei einer Flugzeit von 50 Minuten nicht ins Gewicht und der Blick über die Lagune von Venedig war sowohl beim Ab- als auch beim Rückflug atemberaubend.

Venedig - Flug - LaguneVenedig - Flug - Stadt

Das Mietauto

Bei der Anreise mit dem Flugzeug ist ein Mietauto, sofern man nicht nur in einem Hotel am Strand chillen möchte, unumgänglich. Auch Sardinien hat ein öffentliches Verkehrsnetz, aber nicht unbedingt zu den spannenden Orten der Insel. Dementsprechend gibt es unzählige Mietautofirmen, die alle in den diversen Portalen sowohl viele positive als auch viele negative Bewertungen erhalten haben. Ist es also eine Glückssache, ob das Mietauto zu einer Kostenfalle wird oder nicht? Bis zu einem gewissen Grad sicher, denn es gibt, wie eigentlich überall, schwarze Schafe, die jede Gelegenheit ausnützen, um Touristen zusätzlich Geld aus der Tasche zu locken. Beliebt ist, wollen wir einmal diversen Erfahrungsberichten in den unterschiedlichen Reiseportalen Glauben schenken, z.B. der Trick, dass bei der oft unter Zeitdruck stattfindenden Rückgabe des Autos ganz zufällig ein Schaden gefunden wird (meistens ganz versteckt beim Unterboden), den der Kunde bei der Entgegennahme des Autos gar nicht gesehen haben kann.

Um dieses Risiko etwas zu minimieren, wählten wir die Vorgehensweise, das Mietauto durch ein Reisebüro bei uns zuhause zu reservieren. Die Variante mit einem umfassenden Vollkasko-Versicherungsschutz ohne Selbstbehalt ist nur unwesentlich teurer als eine Buchung vor Ort, bei der standardmäßig nur die gesetzlich vorgeschriebene Haftplicht-Versicherung enthalten ist. Eine zusätzliche Versicherung wird dann immer als Zusatzverkauf bei der Entgegennahme des Autos nahegelegt – meistens mit viel Nachdruck. Bei uns war dies nicht notwendig und auch ein eventueller Schaden hätte für uns kein finanzieller Nachteil bedeutet, da der Selbstbehalt dafür zwar kurzfristig über unsere Kreditkarte abgebucht worden wäre, wir diesen aber wieder durch unser Reisebüro vollständig zurückerstattet bekommen hätten. Außerdem hatten wir das Glück, ein fast neuwertiges Auto erhalten zu haben, das uns während unseres Aufenthalts treue Dienste leistete.

Sardinien - Hütte und Mietauto

Übrigens gibt es – entgegen anderslautender Meinungen in den bereits oben genannten Foren – auch in Olbia in der Nähe des Flughafens eine Tankstelle, um das Auto vor der Rückgabe vollzutanken – einfach bei Google Maps nachfragen. Somit ist die teuere Variante, gegen einen Aufpreis das Auto nicht vollgetankt zurückgeben zu müssen, nicht notwendig.

Das Autofahren

Das Autofahren auf Sardinien ist typisch italienisch. Es wird sehr zügig gefahren und Sicherheitsabstände sind eine Seltenheit. Für uns war das etwas verwunderlich, da die Verkehrsstrafen in Italien sehr hoch sind und wir feststellen mussten, dass die örtliche Polizei sehr viele Kontrollen durchführt. Wir lernten viele kennen, die kontrolliert wurden, aber niemanden, dem eine Übertretung nachgewiesen wurde. Auch wir kamen einmal in eine Kontrolle. Die Untersuchung der Wagenpapiere dauerte eine gefühlte Ewigkeit, dafür wussten wir danach, dass die uns von der Mietwagenfirma übergebenen Zettel korrekt und ausreichend waren.

Autobahnen gibt es keine, auch wenn die Straßen oft danach ausschauen. Dafür wird aber keine Maut fällig. Auf den zweispurigen Schnellstraßen gilt zumeist die gleiche Geschwindigkeitsbeschränkung wie auf Landstraßen, 90 km/h. Der Zustand der Straßen ist bis auf wenige Ausnahmen sehr gewöhnungsbedürftig. Bei den vielen Schlaglöchern waren wir froh, nicht mit dem eigenen Auto unterwegs zu sein, obwohl uns unser kleiner Begleiter manchmal doch auch etwas leid tat. Zu manchen Ausflugszielen gelangten wir nur über Schotter- bzw. Sandstraßen.

Sardinien - Feldweg

Dementsprechend tarnte sich unser kleiner Wagen schon nach wenigen Fahrten sandfarben … übrigens fuhren wir vor der Rückgabe in eine Waschanlage, was bei der Verleihfirma sichtlich einen guten Eindruck hinterließ.

Natürlich dient einem auch auf Sardinien das Navi als wertvolle Orientierungshilfe. Allerdings kann es einen auch ganz schön in beengende Situationen bringen. Ein Tipp: Nicht immer den kürzesten Weg durch eine Ortschaft nehmen sondern, wenn vorhanden, Ortsumfahrungen nutzen, bzw. will man direkt zu einem Ziel im Ort, eventuell schon am Rand parken. Es sei denn, man liebt nur gefühlte zwei Millimeter Abstand links und rechts des Seitenspiegels zu den Hausmauern – und unser Auto war klein!

Sardinien - Enge Gasse

Das Klima

Im Sommer ist ein Auto mit Klimaanlage fast schon Pflicht, denn zu dieser Jahreszeit kann es auf Sardinien wirklich unbarmherzig heiß sein. Wir hatten das Glück (oder auch Pech), dort einen Jahrhundertsommer erleben zu dürfen. Das Hoch Luzifer bescherte uns Temperaturen wie in der Hölle mit bis zu 45° Celsius. Der auf der Insel allgegenwärtige Wind bot da auch keine Abkühlung mehr – im Gegenteil: Er wirkte wie ein Föhn. Außerdem war dieser Sommer sehr trocken, schon Monate davor war laut Erzählungen kein einziger Tropfen Regen gefallen. Dementsprechend karg bot sich uns die Landschaft dar, kein einziger Grashalm war zu sehen. Rinder, Schafe, Pferde standen quasi auf Sandplätzen.

Sardinien - SchafherdeSardinien - Pferde

Das einzige Grün waren Bäume und Sträucher, die durch ihre tiefer liegenden Wurzeln ihre Kraft aus dem auf Sardinien reichlich vorhandenen Grundwasser bekamen.

Grüner und bunter ist die Insel angeblich im Frühjahr, das wollen wir unbedingt einmal erleben. Der Winter ist eher mild. Allerdings fühlt er sich durch viel Nebel und Wind, sowie durch die mangelhaft isolierten Häuser eher ungemütlich an. Und auch Schnee soll es manchmal geben, aber an mehr als zwei Zentimeter konnte sich in Ploaghe niemand erinnern.

Die Landschaft

Die sardische Landschaft ist sehr vielfältig. Große Ebenen sind ebenso zu finden wie steile Berglandschaften, die von Straßen durchzogen werden, die den Passstraßen in den Alpen um nichts nachstehen.

Sardinien - Felsformation

Legendär sind natürlich die Küsten. Auf den insgesamt fast 1.850 Kilometern am Meer finden sich bizarre Steilküsten oder fast schon weich anmutende Felsformationen ebenso wie kristallklare Kiesstrände oder malerische Sandstrände.

Sardinien - FelsküsteSardinien - KiesstrandSardinien - Sandstrand

Das Wasser ist zumeist fast kitschig blau oder türkis. Verständlich, dass viele Urlauber hier einen schönen Meerurlaub verbringen wollen. Es ist aber schade, wenn man den Blick nicht vom Meer abwendet und dabei vergisst, in das Innere der Insel mit all ihrer Schönheit und den vielen Geheimnissen zu blicken. Das Meer hat uns fasziniert, der Rest der Insel hat uns verzaubert.

Sardinien - Asinara - Sonnenuntergang

Fortsetzung folgt… – hier geht es zu Teil 2

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  1. Wir waren voriges Jahr auf La Maddalena – nur ein paar Tage und mit Moped statt mit Auto. Schöne Landschaft, aber insgesamt hat mich Sardinien nicht umgehaut. Die sardische Küche wird immer als „einfach“ bezeichnet – das kann ein Kompliment sein, in dem Fall aber nicht unbedingt.

    Eines würd mich noch interessieren: Sind euch auch an allen Ostseitigen Stränden die Tonnen an Plastikschrott aufgefallen? Keine Teile, die rumliegen, sondern fast zu Staub zermahlen. Hab mich gewundert, warum’s hier so viel „blauen“ Sand gibt, bis ich genauer nachgeschaut hatte. Die Einheimischen wusste nix davon oder wollten davon nix wissen.

    • M.A.R.S. unterwegs

      Schade, dass ihr nicht die gleichen tollen Erfahrungen machen konntet. In den noch kommenden Artikeln berichten wir auch über die sardische Küche – unseren Geschmack hat sie getroffen. Fasziniert waren wir besonders von den Resten einer ca. 5.000 Jahre alten Kultur, die überall zu finden ist. Da wurde das Meer fast zur Nebensache. Jene Strände, die wir besucht haben (im Westen bzw. Nordwesten), waren alle blitzsauber.

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