Bei einem Ausflug in den  Bombaschgraben nahe Pontebba im italienischen Kanaltal fanden wir Spuren aus dem Ersten Weltkrieg – eine Zeit, in der mitten durch Pontebba die Front zwischen Österreich und Italien verlief.

Wir lernten wieder etwas Neues dazu: Es war uns bekannt, dass ein Teil des Kanaltals vor dem Ersten Weltkrieg zu Österreich gehörte, nicht aber, wo genau die Grenze zu Italien verlief. Diese wurde vom Gebirgsfluss Pontebbana markiert, der am Rand des heutigen Pontebba in die Fella mündet. Der Ort war damals zweigeteilt, wobei der österreichische Teil den Namen Pontafel trug. Somit war die Grenze nicht nur eine zwischen zwei Ländern, sondern auch zwischen zwei Sprachen. Direkt im Ort, an der Brücke über die Pontebbana, finden sich noch Grenzsteine aus der damaligen Zeit mit für uns heute unbekannten Entfernungsmaßen (ein Myriameter entspricht zehn Kilometern).

Pontebba - Grenzstein

Die Lage direkt an der Grenze in einem engen Tal mit einem bedeutenden Verkehrsweg machte Pontebba/Pontafel zu einem umkämpften Gebiet im Ersten Weltkrieg. Die Kämpfe beschränkten sich aber nicht nur auf den Ort, der dabei zum Großteil zerstört wurde, sondern auch auf das Umland. Die Berge rund herum hatten eine besondere strategische Bedeutung. Wichtige Ziele konnten von dort beobachtet oder beschossen werden. Ein Beispiel dafür auf österreichischer Seite ist ein felsiger Hügel am Rand des Bombaschgrabens, wo auch die Straße auf das Nassfeld entlangführt.

Pontebba - Bombaschgraben - Bewaldeter Hügel

Heute ist dieser Hügel bewaldet. Somit erkennt man auf den ersten Blick nicht, dass sich dort ein kleines Freilichtmuseum befindet. Die alten Stellungen wurden restauriert und wieder zugänglich gemacht. Wir starteten unseren Besuch direkt bei dem kleinen Parkplatz an der Nassfeldstraße, ca. drei Kilometer ab der Abzweigung auf das Nassfeld in Pontebba.

Pontebba - Bombaschgraben - Weganfang

Eine erste Schautafel führte uns ein in die Geschichte rund um diesen Parco Tematico della Grande Guerra a Pontebba. Der Weg beginnt auf der gegenüberliegenden Straßenseite und führt etwas steiler bergauf, zunächst über eine Wiese, danach durch Laubwald. Schon bald erkannten wir die ersten Steinwälle, die nicht danach aussahen, als wären sie natürlichen Ursprungs. Tatsächlich waren das die ersten Schützengräben, die als Vorposten für die Stellung dienten. Verrostete Konservendosen oder der in den Felsen gehauene Unterstand schafften in uns fast so etwas wie Erleichterung und Dankbarkeit, dass wir von der Idylle des Waldes und nicht von den Schrecken des Krieges umgeben waren.

Pontebba - Bombaschgraben - SchützengrabenPontebba - Bombaschgraben - Im SchützengrabenPontebba - Bombaschgraben - Vorposten

Wegen der Bäume konnten wir nur erahnen, welche Ziele von diesen Gräben anvisiert wurden. Als wir den Weg bergauf fortsetzten, kamen wir aber bald zu einem Aussichtspunkt, der den Blick nach Pontebba freigab.

Pontebba - Bombaschgraben - Blick auf Pontebba

Kurz darauf zeigte sich linker Hand das felsige Gelände, in das in mühevoller Arbeit eine Höhle gegraben wurde, die als Geschützstellung diente – natürlich wieder ausgerichtet auf den Grenzort.

Pontebba - Bombaschgraben - Geschützstellung außenPontebba - Bombaschgraben - Geschützstellung innen

Hinter dem Felsen und damit geschützt vor der Frontlinie konnten wir die Fundamente jener Baracken erkennen, die für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur errichtet wurden. Von den Holzbaracken ist naturgemäß nichts mehr zu sehen, auf Schautafeln werden aber Fotos von ihnen gezeigt. Auch die Namen der Gebäude sind überliefert – Hubertusheim und Villa Fürchterlich.

Pontebba - Bombaschgraben - BarackenplatzPontebba - Bombaschgraben - Barackenfundamente

In Serpentinen und über Stiegen ging es nun steil bergauf, dieser Teil kann beim Rückweg weniger steil umgangen werden. Oben angekommen lassen sich weitere Relikte aus der Kriegszeit erkunden – Gräben, Stellungen und eine weitere, große Kaverne, die innen verzweigt ist. Die Enden dieser Verzweigungen waren wieder Schießscharten im Felsen.

Pontebba - Bombaschgraben - AufstiegPontebba - Bombaschgraben - WehrgrabenPontebba - Bombaschgraben - Überdachter WehrgrabenPontebba - Bombaschgraben - StellungPontebba - Bombaschgraben - Einstieg in die KavernePontebba - Bombaschgraben - Kaverneneinstieg von untenPontebba - Bombaschgraben - LaternePontebba - Bombaschgraben - In der Kaverne

Für die Besichtigung dieser Anlage benötigten wir ca. 1,5 Stunden. Der Weg ist gut ausgeschildert,  mehrsprachige Schautafeln vermitteln den geschichtlichen Hintergrund.  Aufgrund der steilen und hohen Stufen über Wurzeln und Steine empfehlen wir gutes Schuhwerk.

Pontebba - Bombaschgraben - Wanderschuhe

Neben der Besichtigung nahmen wir uns auch Zeit, kurz innezuhalten und an jene jungen Männer zu denken, deren Leben dort ohne Sinn zu Ende ging oder für immer ein anderes wurde, denn davon sind wir überzeugt, dass nach Kriegserlebnissen kein unbeschwertes und sorgloses Leben mehr geführt werden kann. Umso trauriger finden wir, dass es auf unserer Erde noch immer Menschen gibt, die Krieg als Problemlösungsvariante gutheißen bzw. mit Krieg oder dessen Androhung ihre Absichten durchzusetzen versuchen. Umso positiver sind für uns jene Aktivitäten, die an die Schrecken des Krieges erinnern und durch die gemeinsame Aufarbeitung der Geschichte ehemalige Feinde zu Freunde zusammenwachsen lassen. In diesem Sinne begrüßen wir die Errichtung und Wiederherstellung von Gedenkstätten wie jener im Bombaschgraben bei Pontebba , können einen Besuch dort nur empfehlen und hoffen, somit einen kleinen Teil zum friedlichen Miteinander beitragen zu können.

Pontebba - Bombaschgraben - Karte

Kartenausschnitt © OpenStreetMap und Mitwirkende, CC-BY-SA

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